Das Produktzustandsmodell des V-Modell XT in BPMN 2.0 modelliert

In diesem Artikel beschreibe ich, wie man das Produktzustandsmodell statt als UML-Diagramm, wie im V-Modell XT bzw. V-Modell XT Bund dargestellt wird, als BPMN 2.0 Prozessmodell modellieren kann. Ganz nach dem Motto „V-Modell XT goes BPMN“!

 

Die Modellierungsnotation BPMN 2.0 ist derzeit voll im Trend. Sehr viele Firmen und auch die öffentliche Verwaltung stellen ihre Geschäftsprozesse auf BPMN 2.0 um. Die neueste Version der BPMN wurde im Januar 2011 durch die OMG veröffentlicht. Sie bietet den Vorteil, dass diese Version in einer Prozessengine direkt ausführbar ist. Es entfällt daher ein aufwendiges Mapping nach BPEL. BPMN 2.0-Diagramme können bei entsprechender Tool-Unterstützung als XML-Datei gespeichert, ausgetauscht und ausgeführt werden.

Ich habe einmal 2 wichtige BPMN 2.0 – Bücher herausgegriffen. Das Praxishandbuch ist gerade für Einsteiger sehr zu empfehlen. Es wird mit anschaulichen Beispielen die BPMN erklärt. Wenn alle Elemente der Spezifikation betrachtet wurden, wird  das Puzzle zusammengesetzt und an einem Beispiel die verschiedenen Ebenen eines BPMN-Modells erstellt. Es wird auch am Schluss ein Abstecher in die eher technisch orientierten Themen, die einen Prozess-Engeneer betreffen, gemacht. Weiterhin ist das sog. BPMN-Poster eine nützliche Arbeitshilfe.

Produktzustandsmodell laut V-Modell XT und V-Modell XT Bund

Produktzustandsmodell V-Modell XT als UML-Diagramm

Produktzustandsmodell V-Modell XT als UML-Diagramm, Quelle: http://v-modell.iabg.de/v-modell-xt-html/d807fba5e847d5.html


Produktzustandsmodell ohne eigenständige QS

Produktzustandsmodell mit eigenständiger QS, Quelle: http://download.4soft.de/v-modell-xt-bund/releases/1.0/html/64fc1250169c250.html

Produktzustandsmodell mit eigenständiger QS

Produktzustandsmodell mit eigenständiger QS, Quelle: http://download.4soft.de/v-modell-xt-bund/releases/1.0/html/64fc1250169c250.html

 

In der Produktvorlage zum QS-Handbuch nach V-Modell XT Bund wird folgendes zum Produktzustandsmodell ausgeführt:

Gemäß V-Modell XT bzw. V-Modell XT Bund beschränken sich die Bearbeitungszustände auf:

  • In Bearbeitung,
  • Vorgelegt und
  • fertig gestellt.

Während der Erstellung eines Dokuments durch einen verantwortlichen Mitarbeiter befindet sich dieses im Zustand In Bearbeitung.

Die Übernahme eines fertigen Dokuments in den Zustand fertig gestellt bedingt in jedem Fall eine nach folgendem Verfahren durchzuführende Qualitätssicherung. Jede Prüfung (auch Eigenprüfungen) müssen dabei in die Prüfliste des Dokuments eingetragen werden.

  1. Der Ersteller eines Produkts führt eine Eigenprüfung durch.
    • Für den Fall, dass das vorliegende Dokument keiner unabhängigen Qualitätsprüfung zu unterziehen ist, ändert der Ersteller nach erfolgreicher Eigenprüfung den Status selbständig in den Zustand fertig gestellt. Die Qualitätssicherung ist an dieser Stelle abgeschlossen.
    • Anderenfalls setzt der Ersteller das Dokument auf den Zustand vorgelegt und übergibt es dem im Kapitel Zu prüfende Produkte ausgewiesen Prüfer.
  2. Der Prüfer prüft das Dokument auf Grundlage der dazugehörigen Prüfspezifikation.
    • Entspricht das vorgelegte Dokument allen Anforderungen, setzt der Prüfer es in den Zustand fertig gestellt.
    • Entspricht das vorgelegte Dokument nicht allen Anforderungen, setzt der Prüfer es wieder in den Zustand in Bearbeitung und gibt es mit entsprechenden Korrekturvorschlägen an den Ersteller zurück. Je nach Umfang der durchzuführenden Anpassungen legt der Prüfer im Prüfprotokoll fest, ob nach der Überarbeitung durch den Ersteller eine Übernahme in den Zustand fertig gestellt durch eine Eigenprüfung erfolgen darf oder einer erneuten, unabhängigen Qualitätsprüfung bedarf.

BPMN 2.0 – Modell des Produktzustandsmodells

Produktlebenszyklus nach V-Modell XT bzw. V-Modell XT Bund in BPMN 2.0 modelliert

Produktlebenszyklus nach V-Modell XT in BPMN 2.0 modelliert

 

hier der Download als PDF: Produktlebenszyklus V-Modell XT als BPMN 2.0 – Modell

Diese Beschreibung habe ich in ein BPMN-Diagramm (Level 2 – Operatives Prozessmodell) übersetzt:

Sobald durch den Produktverantwortlichen eine neue Version des Produkts erstellt, wird eine neue Prozessinstanz geboren. Das Token der Prozessinstanz wandert sodann zum blanko-Zwischenereignis in Bearbeitung. Dies symbolisiert den Produktzustand in Bearbeitung.

Der Produktverantwortliche führt eine Eigenprüfung durch. Ist diese nicht erfolgreich, so muss das Produkt nachbearbeitet werden und sodann eine neue Eigenprüfung durchgeführt werden.

1. Fall: keine eigenständige QS erforderlich

Ist keine eigenständige Qualitätssicherung erforderlich, weil auf diese Produkt keine andere aufbauen, so wandert das Token über die zwei XOR-Gateways direkt zum blanko-Endereignis fertig gestellt. Dies stellt dar, dass das Produkt den Zustand „fertig gestellt“ erhält.

2. Fall: eigenständige QS erforderlich

Ist jedoch eine eigenständige Qualitätssicherung erforderlich, weil andere Produkte darauf aufbauen und daher eine hohe Qualität garantiert werden muss, so wird das Dokument zur eigenständigen Qualitätssicherung verteilt. Die Methode (Review, Inspektion, …) ist hier offen gelassen. Es fließt eine Nachricht zum Pool des sog. QS-Teams, den Produktprüfern. Dadurch wird hier eine weitere Prozessinstanz gestartet (Nachrichten-Startereignis).

Das Token des Prozesses des Produktverantwortlichen wandert inzwischen über das blanko-Zwischenereignis „vorgelegt“, womit das Produkt nach der erfolgten Verteilung den Zustand vorgelegt erhält. Es wartet im ereignisbasierten Gateway auf ein entsprechendes Ereignis, dass durch die Prozessinstanz des QS-Team-Pools ausgelöst wird.

Im Prozess des QS-Teams wird sodann eine eigenständige Qualitätssicherung durchgeführt. Als mögliche zwei Ergebnis kann diese erfolgreich oder nicht erfolgreich verlaufen.

Im Fall einer nicht erfolgreichen eigenständigen Qualitätssicherung verlangt das QS-Team eine Korrektur, welche als Nachricht an den Produktverantwortlichen geht. Danach wird diese Prozessinstanz nach dem XOR-Gateway gleich beendet (Token wird konsumiert). Darauf reagiert das ereignisbasierte Gateway und es wird eine Neu Produktversion erstellt, um die Änderungswünsche umzusetzen. Darauf wird auch diese Prozessinstanz beendet. Es existieren nun keine Instanzen mehr. Doch die Erstellung einer neuen Version ist die Bedingung für einen erneuten Durchlauf des BPMN-Modells.

Stimmt hingegen das QS-Team der Dokumentversion zu, womit die eigenständige Qualitätssicherung erfolgreich verlaufen ist, so wird wiederum eine Nachricht versandt und danach die Prozessinstanz wiederum beendet. Darauf reagiert das ereignisbasierte Gateway der Prozesszinstanz des Produktverantwortlichen. Das Token wandert über das XOR-Gateway zum Endzustand fertig gestellt, wo es konsumiert wird.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenprüfung und eigenständiger QS?

Eigenprüfung:

Bei der Eigenprüfung prüft der Produktersteller sein eigenes Produkt. Dabei können natürlich nicht alle Fehler gefunden werden, da den Produktersteller das Wissen, welches Ergebnis erzielt werden soll, bei der Durchführung der Prüfung beeinflusst. Um die groben Fehler zu finden, ist diese Qualitätssicherungsmaßnahme sinnvoll. Sie stellt jedoch keine Eigenständige QS dar.

eigenständige Qualitätssicherung:

Ein Grundsatz der Qualitätssicherung ist das Vier-Augen-Prinzip. Dabei wird mit einem Review oder einer Inspektion das Produkt von mindestens einem sachverständigen Zweiten geprüft. Die Prüferkreise als sachverständige Zweite sind so auszuwählen, dass der erforderliche Sachverstand vorhanden ist, um ein Produkt gemäß den definierten Kriterien prüfen zu können. Bei mehreren möglicherweise unabhängigen Prüfkriterien kann es sinnvoll sein, mehrere Prüfer zu bestimmen, die jeweils nur einen bestimmten Teil der Kriterien prüfen, insgesamt sind alle Kriterien zu prüfen. Die Prüfer dürfen nicht in die Erstellung / Bearbeitung des Produkts eingebunden sein.

Grundsätzlich ist eine eigenständige QS für alle Kern-Produkte zwingend erforderlich, da auf diese wiederum andere Produkte aufbauen. Dazu gehören natürlich das QS-Handbuch, das Lastenheft, das Pflichtenheft und das Projekthandbuch.

Zusammenfassung

Auch den V-Modell XT – bzw. V-Modell XT Bund – Standard kann man ohne weiteres auch in BPMN modellieren. Das Tailoring stellt in dem Sinne nichts anderes als eine Prozesskonzeption dar. Hier werden aus dem globalen Prozesskatalog des V-Modell XT die für das einzelne Projekt passenden Prozesse herausgefiltert. Das getailorte V-Modell-Projekt stellt damit eine Prozesslandkarte für dieses Projekt dar.  Hierauf können dann in einem weiteren Schritt eigene Softwarelösungen rund um den Standard mit einer Prozessengine realisiert werden. So könnte die Softwareunterstützung zur Umsetzung des Standards weiter ausgebaut werden.

Für Fragen und Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung.

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