kollaborative Erstellung von Lastenheften (Teil 1)

Gerade in virtuellen Teams ist die Erstellung eines konsistenten Lastenhefts unter Verwendung unterschiedlicher Betriebssysteme etc. erforderlich. Um dieses Problem effektiv und effizient zu lösen, bietet sich die Nutzung einer Webapplikation für die Erstellung und Verwaltung von Lastenheften an.

Spezialsoftware in virtuellen Projekten

Reisezeit und die damit verbundenen Reisekosten sind bares Geld wert. Trotzdem müssen in größeren zu entwickelnden IT-Systemen viele Projektmitglieder kollaborativ arbeiten können. Hier gibt es bereits allgemeine Groupwaresysteme wie SharePoint, die in IT-Projekten eine Zusammenarbeit erleichtern. Für einzelne Bereiche gibt es jedoch auch spezialisierte Tools, z.B. gemeinsame Entwicklung über KM-Tools wie Git und Subversion. Auch im Bereich Lastenhefterstellung (oder allgemeiner: Requirements Engineering) macht die Entwicklung nicht halt. Neben der Erstellung von Anforderungen über Wikis oder Google-Docs gibt es auf das Requirements Engineering spezialisierte Tools, die Versionsmanagement, eindeutige Identifikation und Austausch zwischen den Teilnehmern u.v.m. bereits fest integriert haben und daher nicht mehr Konventionen, Templates und extra Tools festgelegt werden müssen.

In diesem Artikel betrachte ich exemplarisch einen Vertreter, dieser auf Lastenhefterstellung und -generierung spezialisierten Webapplikationen, die ReqPOOL-Suite, welche folgende Anwendungen enthält:

  • ReqPOOL-Estimation Manager: einfache und schnelle Schätzung des Projektaufwands in PT über parametrische Schätzgleichung
  • ReqPOOL-Requirements Manager: Erstellung und Verwaltung des Lastenhefts
  • ReqPOOL-Sourcing Manager: Auftragsvergabe
  • ReqPOOL-Delivery Manager: Changemanagement während Entwicklung und Fortschrittsüberwachung

In diesem Artikel betrachte ich nur die ersten beiden und zwar mit Schwerpunkt auf den Requirements Manager. Basis der Betrachtung ist ein bereits unter http://sqm.my-webapps.de erfolgreich abgeschlossenes IT-Projekt. Hier liegen u.a. bereits eine Aufwandsschätzung, IST-Zahlen (wegen Projektabschluss) und ein erstelltes Lastenheft vor. Daher kann hier die Praktikabilität und Genauigkeit der Schätzung gut überprüft werden.

Schätzung

Bei der Aufwandsschätzung im beschriebenen Projekt wurde eine PERT-Schätzung in Kombination mit einer Expertenschätzung verwendet. Die Aufwände werden von jedem Experten dabei in drei Varianten geschätzt:

1. “Aufw_min”, als “best-case” Vorstellung, in der die Aufgabe unter optimalen Bedingungen erarbeitet wird.
2. “Aufw_max”, als “worst-case” Vorstellung, in der die Aufgabe erledigt wird, aber alles das, was schief gehen kann, Murphys Gesetz folgend, auch schief geht.
3. “Aufw_real”, als Mittelwert, der auf den Erfahrungen und Erwartungen der Experten beruht. Es wird versucht, den Aufwand zu 100% genau zu schätzen.
Da perfekte Schätzungen leider Zufallstreffer sind, besagt die PERT-Methode, dass der “Aufw_real” viermal so wahrscheinlich ist, wie “Aufw_min” und “Aufw_max”. Die Schätzungen “Aufw_min” und “Aufw_max” sind gleich wahrscheinlich. Um nun den tatsächlichen Aufwand zu ermitteln, wird ein gewichteter Durchschnitt über die Schätzungen gebildet:
Aufwand nach PERT = (Aufw_min + Aufw_max + Aufw_real * 4) / 6
Über diese Schätzmethode kam ein Wert von 1239 Arbeitsstunden heraus, welche bei der für das Projekt kalkulierten Nettoarbeitszeit von 6,7 h/Tag zu 185 Personentagen führte. Da unter der oben genannten URL auch bereits das fertige System vorliegt, konnte basierend auf den dort ermittelten Parametern für den Estimation Manager dieser gefüllt werden.
Beispiel Aufwandsschätzung Estimation Manager

Wie man sieht, wird hier von 244 PT ausgegangen. Die Differenz erklärt sich meiner Einschätzung damit, dass unsere Anwendungsfälle relativ einfach waren und wenig Programmieraufwand, bis auf das „Umdrehen der virtuellen Karteikarten“, erforderlich war. Für eine erste Schätzung ist jedoch der Wert ein guter Richtwert zum Projektstart.

Im zweiten Teil des Artikels zeige ich die Möglichkeiten im Requirements Manager, einem Tool mit dem innerhalb eines Projekts gemeinsam ein Lastenheft erstellt werden kann.

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