Anforderungen festgelegt gem. V-Modell XT

Die Aktivitäten, die unter Punkt 6.3.7.3 der Referenz des V-Modell XT fällt, lautet „Anforderungen festgelegt“. Die deutschen Erläuterungen beschreiben sieben Teilaktivitäten, die im folgenden Artikel zusammengefasst und erläutert werden.
 

 

1.   Ausgangssituation und Zielsetzung beschreiben

Die Ausgangssituation, d.h. der IST-Zustand bzw. Grund für den Auftrag, ist durch den Auftraggeber (AG) zu beschreiben. Im Beispiel besteht aktuell für den Kunden noch keine Möglichkeit eine Anmietung online durchzuführen. Im Softwaresystemmodell spricht man hierbei von Verfahrensumgebung.

Der Auftragnehmer grenzt, auch unter Zuhilfenahme von Stakeholdern, das System ein und beschreibt die Schnittstellen zu anderen Systemen grob, was als Systemumgebung bezeichnet wird. Weiterhin erfasst er Vorgaben für die Sicherheit oder die Systemeigenschaften. Bzgl. der Sicherheit und der Systemeigenschaften sind die Vorgaben des Chief Information Officer (CIO) als Beispiel zu nennen.

2.   Funktionale Anforderungen erstellen

Um zu erkennen, welche Geschäftsprozesse durch das System unterstützt werden (automatisierte oder teilautomatisierte Prozesse), sollen diese in einem TOP-Down-Ansatz analysiert werden. Dabei werden zunächst die IST-Prozesse und danach die SOLL-Prozesse ermittelt. Im System soll beispielsweise die Verfügbarkeit von Mietwagen teilautomatisiert erfasst werden (SOLL), welche derzeit anderweitig manuell erfasst wird (IST). In einem weiteren Schritt werden die Anforderungen mit unterschiedlichen Techniken erhoben und in textueller Form niedergelegt. Dies ist bereits mit den Stakeholdern erfolgt, muss jedoch aufgrund der festgestellten Mängel bei Konsistenz, Verständlichkeit und Vollständigkeit noch überarbeitet werden. Anhand der textuellen Anforderungen werden Anwendungsfälle identifiziert, die Szenarien mit den Stakeholdern beschrieben und anschließend die Anwendungsfallbeschreibung erstellt. Bei der Anwendungsfallbeschreibung wird ein einheitliches Template verwendet. Folgende Anwendungsfälle konnten identifiziert werden: Anmieten, Verfügbarkeit PKW melden, Vorausreservierung löschen, Reports und Statistiken erstellen.

3.   Nicht-Funktionale Anforderungen erstellen

Die nicht-funktionalen Anforderungen werden so in Textform erfasst, dass sie messbar, prüfbar und entscheidbar sind. Als Rahmenbedingung wurde z.B. im Bereich Ausgangssituation festgehalten, dass keine neue Hardware oder Betriebssystemsoftware angeschafft werden kann. Dies hat Auswirkungen auf die möglichen nicht-funktionalen Anforderungen im Bereich Performance. Die nicht-funktionalen Anforderungen an das System werden über das FURPS-Schema (Funktionalität, Usability, Reliability, Performance und Supportability) abgefragt.

Weiterhin werden die Prozessbedingungen für das System festgelegt.

4.   Risikoakzeptanz und Sicherheitsstufen festlegen

Es wird hier beschrieben, welche Risiken vom Auftraggeber oder künftigen Betreiber toleriert werden. Dazu werden geeignete Sicherheitsstufen definiert und die Anforderungen vom Auftraggeber bzgl. dieser kategorisiert. Auf dieser Basis trifft der Auftragnehmer geeignete risikominimierende Maßnahmen. Das System muss die Security Policy des Unternehmens einhalten, welche bereits derartige Maßnahmen enthält.

5.   Skizze des Lebenszyklus und der Gesamtsystemarchitektur erstellen

Ein betriebliches Informationssystem verursacht auch nach der Erstellung laufende Kosten. Es wird daher der gesamte Lebenszyklus von der Erstellung über den Betrieb und die Wartung bis zur Aussonderung betrachtet.

Weiterhin wird eine Skizze der Gesamtsystemarchitektur erstellt, um frühzeitig eine geeignete Projektstruktur aufzubauen und eine Analyse zur Verwendung von Fertigprodukten durchzuführen. Die Gesamtsystemarchitektur enthält die Kundenschnittstelle und die Schnittstelle zum Abrechnungssystem und CRM-System. Weiterhin ist noch das eigentliche Anmietungssystem aufzunehmen.

6.   Qualität der Anforderungen analysieren

Es werden frühzeitig im Projekt die Qualitätskriterien zur Bewertung der Anforderungen aus dem Lastenheft festgelegt. Auf Basis dieser werden alle funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen geprüft und alle gefunden Mängel in einer Liste festgehalten. Diese Mängel müssen vor Fertigstellung des Lastenhefts beseitigt, die Anforderungen aufbereitet und bewertet werden.

7.   Lieferumfang und Abnahmekriterien erstellen

Hier sind alle Produkte und Dienstleistungen detailliert festzulegen, die während des Projektverlaufs vom Auftragnehmer an den Auftraggeber zu liefern sind. Hier ist insbesondere die gesamte Dokumentation der Systemarchitektur und der Komponenten aufzuführen. Die Abnahmekriterien sind frühzeitig aus den Anforderungen abgeleitete Testfälle, wodurch eine hohe Konsistenz und Vollständigkeit der Anforderungen hergestellt werden kann.

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