Gegenüberstellung Individualsoftware und Standardsoftware

In diesem Artikel wird die Individualsoftware und die Standardsoftware nach den Kriterien „Abnahme“, „Einführung“, „Risiken“ und „Aufwand“ abgegrenzt und gegenübergestellt.

Vorgehensweise bei der Abnahme

Standardsoftware wird von einer freigabeberechtigten Instanz im Unternehmen, die diese produziert, abgenommen, da aufgrund des anonymen Einsatzbereiches kein direkter Auftraggeber existiert. Diese muss auch mangels Auftraggeber die erstellte Dokumentation prüfen. Individualsoftware wird hingegen vom Auftraggeber einem Abnahmetest unterzogen, in dem geprüft wird, ob die zuvor von diesem spezifizierten und an den Auftraggeber weitergegebenen fachlichen Anforderungen korrekt umgesetzt wurden. Zur Abnahme wird auch die komplette Dokumentation an den Auftraggeber weitergegeben und von diesem geprüft.

Vorgehensweise bei der Einführung

Standardsoftware wird in vier Phasen beim konkreten Nutzer eingeführt. Zunächst wird in einer Phase “Feinspezifikation” eine Detaillösung für die unterstützten Geschäftsprozesse entwickelt. Die Umsetzung wird in der Phase “Prototyping” in Konfigurationsdateien und Parametrisierung überführt und ein Prototyp im Zielanwendungssystem erstellt. Erfüllen der Prototyp die Anforderungen des Nutzers, so startet die Phase der “Pilotierung” unter Verwendung von Echtdaten. Konnte diese erfolgreich abgeschlossen werden, geht die Standardsoftware in den “Produktivbetrieb” über. Parallel zu allen Phasen erfolgt die Produktdokumentation und die Qualitätssicherung. Im Gegensatz dazu wird bei Individualsoftware innerhalb der Einführung keine Feinspezifikation mehr benötigt, da diese bereits im Design des Anwendungssystems stattfand. Auch das Prototyping fand bereits im Zuge der Realisierung statt. Die Einführung der Individualsoftware enthält sinnvoller weise eine Pilotierung und die Inbetriebnahme. Die Einführung von Standard- und Individualsoftware benötigt weiterhin gemeinsam eine Installation und ein Schulung der Endnutzer. Die Schulung der Endnutzer im Falle von Individualsoftware müssen jedoch eigends vorbereitet werden, wohingegen im Falle von Standardsoftware diese nur vom Markt eingekauft werden muss. Auch ist die Installation bei Individualsoftware meist aufwändiger und erfordert mehr Expertenwissen als die von Standardsoftware.

 

mögliche Risiken

Die Abnahme und Einführung von Standardsoftware birgt für den Nutzer weniger Risiken. Der Nutzer erwirbt Lizenzen für die Standardsoftware zu feststehenden Preisen vom jeweiligen Softwareanbieter verkauft. Es kann also kein unkalkulierbares finanzielles Risiko für den Nutzer entstehen. Weiterhin sind die Stückkosten bei Standardsoftware sehr niedrig. Das zeitliche Risiko, dass die Software zu spät fertig wird, ist bei Standardsoftware vergleichsweise niedrig, da diese bereits im Rahmen der Vorratfertigung realisiert wurde und somit eine geringe Zeitspanne zwischen Auftragserteilung und Inbetriebnahme beim Nutzer liegt. Weiterhin besteht im Vergleich zur Individualsoftware eine relativ geringes Risiko, dass die Software nicht das gewünschte Qualitätsniveau bei Inbetriebnahme hat, da diese gewöhnlich ausgiebig getestet wird. Die Risiken sind bei Individualsoftware hingegen wesentlich höher. Zum einen besteht die Gefahr, dass trotz eines Werkvertragens aufgrund unvollständiger Anforderungen an das System der Auftragnehmer nachträgliche kostenpflichtige Change Requests verlangt. Sofern mit dem Auftragnehmer eine Entlohnung auf Stundenbasis erfolgt (Dienstleistungsvertrag), so ist das finanzielle und auch zeitliche Risiko noch höher. Die im Vergleich zur Standardsoftware recht lange Projektlaufzeit bietet viele Möglichkeiten z.B. aufgrund von Unwägbarkeiten im Projektverlauf oder falscher Aufwandsschätzung das Projekt, wenn überhaupt, erfolgreich mit hohem Zeitverzug zu beenden.

zu erwartender Aufwand

Die Einführung von Standardsoftware birgt geringen Aufwand, da hier keine aufwändigen Aufwandsabschätzungen stattfinden müssen. Der Bedarf an finanziellen Resourcen steht bereits im Voraus fest. Auch der zeitliche Aufwand ist sehr überschaubar, da lediglich eine Konfiguration und Parametrisierung durchgeführt werden muss, um die Software auf die Anforderungen des Nutzers zuzuschneiden (Customizing).

Die Individualsoftware hat im Vergleich dazu einen hohen Aufwand innerhalb der Abnahme und Einführung. Es muss z. B. ein umfangreicher Abnahmetest durchgeführt werden, um eine fundierte Aussage über das Qualitätsniveau der Software und die Einhaltung der fachlichen Anforderungen zu treffen. Aufgrund der niedrigeren Qualität sind meist bei einer Erstentwicklung noch weitere Fehlerbehebungstests im Nachgang zum Abnahmetest erforderlich. Auch die Pilotierung erfordert meist mehr Aufwand, da hier noch keine Erfahrungen bei den Endanwendern vorliegen. Auch die Inbetriebnahme (Rollout), ist häufig mit mehr Aufwand verbunden als bei einer Standardsoftware, die hierfür oft Automatismen zur Vereinfachung anbietet.

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