Durchführung von Äquivalenzklassentest und Grenzwertanalyse / Teil 3

In diesem Artikelserie wird beschrieben, wie ein Äquivalenzklassentest zur Durchführung des Formular- und Oberflächentests verwendet werden kann. Es wird die grundsätzliche Methodik des Äquivalenzklassentests für die ISTQB-Zertifizierung und dessen praktische Anwendung beim Formulartest beschrieben. Weiterhin wird eine Verfeinerung des Äquivalenzklassentest, nämlich die Grenzwertanalyse beschrieben.

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1.4 Kombination innerhalb Formularen mit mehreren Feldern

Auf einem Formular sind jedoch meistens mehrere Eingabefelder. So können ggf. sehr viele Testfälle, da jedes Eingabefeld durch einen eigenen Prüffall abgedeckt wird. Um hier wiederum Testfälle zu reduzieren, werden die Regeln für die Kombination von Äquivalenzklassen bei der Erstellung der Testfälle berücksichtigt.

 

Regeln für den Fall: sobald eine ungültige Äquivalenzklasse in irgendeinem Eingabefeld vorhanden ist, läuft das Programm auf einen Fehler (Boolsche Logik: UND-Verknüpfung)

 

1. Regel

Ein Repräsentant jeder gültigen Äquivalenzklasse eines Eingabefeldes (Parameters) ist mit einem Repräsentanten jeder gültigen Äquivalenzklasse aller anderen Eingabefelder zu kombinieren. Jede aller möglichen Kombinationen stellt einen Testfall dar.

 

2. Regel

Der Repräsentant einer ungültigen Äquivalenzklasse eines Eingabefeldes ist nur mit Repräsentanten von anderen gültigen Äquivalenzklassen zu kombinieren. Für jede ungültige Äquivalenzklasse wird so ein Negativ-Testfall erstellt.

 

1.4.1 Grundsätzliches Prinzip gem. Regel 1 und 2

Testfall Eingabefeld Name Eingabefeld Straße Eingabefeld Hausnummer Verarbeitung
1 1 1 1 passt
2 0 1 1 Fehlermeldung
3 1 0 1 Fehlermeldung
4 1 1 0 Fehlermeldung

 

1 steht für gültige Äquivalenzklasse

0 steht für ungültige Äquivalenzklasse

 

Wichtig: Sobald hier 1 steht, wird hier jede gültige Äquivalenzklasse gemeint. Sobald 0 steht, wird hier jede ungültige Äquivalenzklasse gemeint. Dies kann gerade bei der Grenzwertanalyse sehr umfangreich werden. Daher kann hier nur stichprobenweise getestet werden.

 

1.4.2 Beispiel der Kombination beim Äquivalenzklassentest

Um die Kombination einmal durchzuführen, habe ich für die  unter 1.4.1 genannten Eingabefelder einmal die Äquivalenzklassen gebildet.

 

Eingabefeld Name

Äquivalenzklasse Wert für Feld gültige/ungültige ÄK
1 (leer) ungültig
2 100 Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen gültig
3 181 Zeichen ungültig

 

Eingabefeld Straße

Äquivalenzklasse Wert für Feld gültige/ungültige ÄK
4 (leer) ungültig
5 10 Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen gültig
6 66 Zeichen ungültig

 

Eingabefeld Hausnummer

Äquivalenzklasse Wert für Feld gültige/ungültige ÄK
7 (leer) ungültig
8 10 Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen gültig
9 12 Zeichen ungültig

 

Es ergibt sich folgende Kombination

Testfall Eingabefeld Name Eingabefeld Straße Eingabefeld Hausnummer Verarbeitung
1 ÄK 2 ÄK 5 ÄK 8 passt
2 ÄK 1 ÄK 5 ÄK 8 Fehlermeldung
3 ÄK 3 ÄK 5 ÄK 8 Fehlermeldung
4 ÄK 2 ÄK 4 ÄK 8 Fehlermeldung
5 ÄK 2 ÄK 6 ÄK 8 Fehlermeldung
6 ÄK 2 ÄK 5 ÄK 7 Fehlermeldung
7 ÄK 2 ÄK 5 ÄK 9 Fehlermeldung

 

Rote Schrift steht für ungültige Äquivalenzklasse.

Schwarze Schrift steht für gültige Äquivalenzklasse

 

1.4.3 der Vollständigkeit

Es gibt auch die Fallkonstellation, dass nur mindestens in einem Eingabefeld eine gültige Äquivalenzklasse vorhanden sein muss (Boolsche Logik: ODER-Verknüpfung).

 

In diesem Fall gestaltet sich die Prüfung wie folgt:

Testfall Eingabefeld Name Eingabefeld Straße Eingabefeld Hausnummer Verarbeitung
1 0 0 0 Fehlermeldung
2 1 0 0 passt
3 0 1 0 passt
4 0 0 1 passt

 

1 steht für gültige Äquivalenzklasse

0 steht für ungültige Äquivalenzklasse

Ich hoffe, dass Ihnen die Artikelserie weitergeholfen hat und wünsche viel Spass beim Lernen für die ISTQB-Prüfung!

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