Teil 11: Die Philosophie des Salsa-Flow – Führen mit Seele und Verstand

Der moderne Salsa-Leader im LA-Style steht heute vor einer Herausforderung: In einer Welt voller komplexer Patterns und technischer Perfektion geht oft das Wichtigste verloren – das Gefühl für den Partner und die Musik. In diesem ersten Teil meiner Serie „Surfe den Salsa-Flow“ brechen wir mit alten Dogmen und definieren die Rolle des Leaders neu, basierend auf unserer aufgebauten Expertise bei sbkparty.de und den „Leading-Secrets“ von Salsa of Sweden.

Inhalt

Wer sind wir?

Unsere Mission bei sbkparty.de ist es, die lebendige Salsa-, Bachata- und Kizomba-Community in Bamberg durch ehrenamtlichen Tanzunterricht kontinuierlich und nachhaltig zu fördern. Tanzen verbindet und integriert Menschen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, daher widmen wir unsere Freizeit diesem Thema.

Wir sind ein engagiertes Team aus Alexander Schmidt (Turniertänzer, Salsa Advanced+, Bachata Masterclass, Kizomba Fortgeschritten) und Stefan Bregenzer (Salsa Advanced, Bachata Mittelstufe, Kizomba Anfänger). Unterstützt werden wir von unseren Tanzpartnerinnen Conny Zahn, Kaddy, Conny George, Angie Farmer und Natalia Wanner, die uns als Co-Trainerinnen tatkräftig begleiten. Tanzen ist unserer Leidenschaft.

Team SBKParty.de

Führung als empathische Konversation im Salsa

Wahre Meisterschaft beginnt im Kopf. Führung ist im Kern eine Einladung, niemals ein Zwang. Ein erstklassiger Leader versteht sich als Wegweiser: Er zeigt Möglichkeiten auf, während der Follower diese Impulse interpretiert und tänzerisch ausgestaltet. Dies erfordert eine radikale Abkehr von Kraft hin zur klaren Intention.

Stellen dir den Tanz als eine nonverbale Konversation vor: Es gibt Fragen, Antworten und – ganz wichtig – bewusste Pausen. Ein Leader, der nur „redet“ (führt), ohne auf die „Antwort“ (Reaktion) des Partners zu warten, zerstört den Flow. Das ultimative Ziel ist nicht die fehlerfreie Exekution von Tricks, sondern ein Dreiklang aus Komfort, Klarheit und Spaß. Eine gute Führung schafft dabei einen sicheren Rahmen, in dem der Partner die Freiheit hat, kreativ zu sein. Jede Figur muss mit einer verständlichen Einladung beginnen und in absoluter Balance enden, um für den nächsten Impuls bereit zu sein.

Das Ende der binären Rollen: Moderne Inklusivität

Die Zeiten, in denen „Mann führt, Frau folgt“ als unumstößliches Gesetz galt, sind vorbei. In der modernen Salsa-Community sind die Rollen Leader und Follower nicht an das Geschlecht gekoppelt – sie sind frei wählbar. Diese Flexibilität fördert ein tieferes Verständnis für die Mechanik des Paartanzes.

Essenziell für den Flow ist zudem der gegenseitige Respekt: Achte auf die Grenzen deines Gegenübers und kommunizieren deine Wünsche klar. Ein respektvoller Umgang ist die Basis für das Vertrauen, das notwendig ist, um sich gemeinsam in den „Flow“ zu begeben.

Was ist eigentlich „Salsa-Flow“?

Flow ist kein abstrakter Begriff, sondern ein müheloser Bewegungsstrom ohne Stop-and-Go. Er entsteht durch den geschickten Einsatz von Gewichtstransfer und Körperspannung als Motor. Anstatt Figuren isoliert abzuzählen, werden sie organisch miteinander verbunden.

Der Tänzer wird so zum Interpreten der Musik (wie der erfahrende Charly zu sagen pflegt: respektiert die Musik! – wir können das nur unterschreiben): Der Leader erkennt Phrasen, setzt Akzente bei Breaks und nutzt Höhepunkte für dynamische Highlights. Flow stellt sich dann ein, wenn die Grundelemente so weit automatisiert sind, dass man sie musikalisch verknüpfen kann, wobei jede Aktion idealerweise bereits die nächste vorbereitet.

Flow in Aktion

Warum der starre Salsa-Grundschritt ausgedient hat

Viele Tanzschulen unterrichten Figuren, die durch den mehrmalige Mambo Basic (den bekanntesten Salsa-Grundschritt) verbunden werden, wodurch der Follower sich langweilt und der Leader statt Spaß Spannung spürt. Ein solches Starres Muster aus Mambo Basic-Blöcken und einzelne Figuren dazwischen bremst die Kreativität und die Fähigkeit, situativ auf den Partner oder die Musik zu reagieren. Wir betrachten Grundelemente stattdessen als „Silben“ des Tanzes:

  • Der Cross-Body-Lead (CBL) wird kombiniert mit Inside- oder Outside-Turns.
  • Konzepte wie „I go, you go“ schaffen Dynamik.
  • Elemente wie Enchufla, Pedro Spin, Around the World oder die Titanic werden zu Bausteinen einer fließenden Erzählung.

Durch das Automatisieren dieser Silben „surfen“ Sie auf der Musik, anstatt mechanisch gegen sie anzuzählen. Weniger ist oft mehr: Ein smoother Lead ist wertvoller als ein kompliziertes Pattern. Dieses Konzept haben wir nicht erfunden, sondern wir wenden es nur konsequent an und optimieren es im Detail für unseren Stil. Es stammt von den in der SBK-Szene sehr angesehenen Tanzlehrern Conny und Dado aus der Social Dancing Academy.

Die Etikette des Social Dance

Bevor der Flow auf der Tanzfläche entstehen kann, muss der Rahmen stimmen. Social Dance ist ein geteilter Raum, in dem Achtsamkeit und Konsens nicht verhandelbar sind.

  1. Vor dem Tanz: Suche den Augenkontakt, spreche eine freundliche Einladung aus und akzeptieren ein „Nein“ ohne Vorbehalte. Wir bemitleiden die Follower, die manchmal am Arm auf die Tanzfläche gezerrt werden: es handelt sich um Menschen mit Gefühlen und nicht um eure Sportgeräte.
  2. Während des Tanzes: Achtet auf feine Druckpunkte, klammert euch nicht mit Daumen und Zeigefinger an der Hand und vermeidet jegliche Schmerzen beim Partner. Jeder Partner muss jederzeit die Möglichkeit haben, die Verbindung aufzulösen, um Verletzungen zu vermeiden. Auf Social Events ist es unangebracht, wenn der Leader ungefragt eine „Privatstunde“ für den Follower abhält. Wenn ein Element mal nicht klappt, dann ist das nicht schlimm, denn dafür gibt es das Training im Unterricht oder auf Übungsabenden.
  3. Nach dem Tanz: Ein kurzes Dankeschön und gegebenenfalls wertschätzendes Feedback runden das Erlebnis ab.

Willst du gerne wissen, wie du den nächsten Tanzabend mit diesen Prinzipien noch souveräner gestalten kannst? Schreibe es uns in die Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert